Tschechisches Design erlebt weltweit eine Renaissance

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Der tschechische Designer Michal Froněk steht hinter der Innovation von zwanzig berühmten Marken. Der Mitbegründer von Olgoj Chorchoj designte u. a. Biergläser für Pilsner Urquell, die europaweit und in Übersee verkauft werden. Sein Team entwarf auch ein Taschenmesser aus recyceltem Material, das aus der Zusammenarbeit zwischen dem Global Player Nespresso und dem kleinen tschechischen Unternehmen Mikov entstand. „Bei uns finden wir eine Vielzahl von Markenherstellern, die seit Jahrzehnten Design von hoher Qualität fertigen. Wir haben ein solides Fundament, auf welchem wir aufbauen und welches wir weiterentwickeln können“, sagt Froněk.
Sie bereisen die ganze Welt. Was assoziieren die Menschen mit dem Begriff „tschechisches Design“?
Es kommt ganz darauf an, wo Sie fragen, denn beispielsweise in Japan sind tschechische Klassik und Literatur sowie tschechisches Glas sehr beliebt. Dort vertraut man seit langer Zeit auf unsere Qualität, und daher ist es kein Problem dort unsere Marken vorzustellen. Wenn Sie dieselbe Frage jedoch in Amerika oder Europa stellen, dann ist die Situation ganz anders. Eine breitere Bevölkerungsschicht kennt beispielsweise den Automobilhersteller Škoda oder die Brauerei Pilsner Urquell, also Unternehmen, die seit Jahrzehnten ins Ausland exportieren. Die Designerkultur hat sich bei uns in den vergangenen dreißig Jahren stark verändert. 1989, also nach dem Sturz des kommunistischen Regimes, war die Situation sehr schwierig. Um traditionelle tschechische Hersteller war es damals schlecht bestellt. Die Eigentümer wechselten, die Produktionen wurden gestoppt und viele Marken verschwanden vom Markt. Einige haben diese schwere Zeit überstanden, präsentierten neue Ideen und konnten nicht nur ihre Stammkunden halten, sondern auch neue Kunden dazugewinnen. Und es entstanden natürlich auch neue Unternehmen, die heute ein hohes internationales Renommee genießen, wie beispielsweise die Glashütte Lasvit oder der Leuchtenhersteller Brokis.


 
Sie haben Pilsner Urquell erwähnt. Was haben Sie für diese weltberühmte Brauerei entworfen?
Vor achtzehn Jahren habe ich ein spezielles Bierglas entworfen, das sog. Goblet. Die Vorgabe lautete: ein Produkt, um diesem Bier den Weg in die gehobene Gastronomie zu ebnen, in welche es aufgrund seiner hohen Qualität gehört. Gourmets werden kaum zum 0,5-l-Bierkrug greifen, also habe ich für das Unternehmen ein Kelchglas aus Tritan entworfen. Es ist sehr dünn, beständig und vor allem ermöglicht es dem Bier, lange zu schäumen. Dieses Glas wird weltweit verkauft und hat bis heute knapp 30 Millionen Kunden gefunden.
 
Interessant war auch die Zusammenarbeit mit dem tschechischen Unternehmen Mikov, das seit dem 18. Jahrhundert Messer herstellt. Die Taschenmesser in charakteristischer Fischform kennen ganze Generationen von Tschechen. Wodurch unterscheidet sich Ihr Modell?
Im Jahr 2018 wurden wir vom Unternehmen Nespresso angesprochen, das damals mit Mikov zusammengearbeitete. Man wollte von uns Ideen, wie man das recycelte Aluminium aus den Kaffeekapseln wiederverwenden könnte. Und da haben wir eine neue Variante des legendären Taschenmessers in Fischform entworfen. Dieses Modell wurde in Mikov seit den 1920er Jahren gestellt und ist in ganz Tschechien ein Begriff. Und unser Modell hat einen Griff aus recyceltem Aluminium. Auf der Nespresso-Webseite wird die Limited Edition von fünftausend Stück angeboten, wobei der Verkaufserlös für wohltätige Zwecke gespendet wird.


 
Sie stehen ja auch hinter der Gründung des Uhrenherstellers Bohematic. Im Angebot stehen Herrenuhren, die nach dem tschechischen Designer Ladislav Sutnar benannt wurden. Was fasziniert Sie an dieser Person?
Ladislav Sutnar ist eine Ikone des tschechoslowakischen Designs. Er arbeitete für berühmte Marken und emigrierte 1939 in die USA, wo er seine Arbeit erfolgreich fortsetzte. 1958 entwarf er ein Abc, das wir für die Serie Graphic – Sutnar verwendeten. Der Typograph Tomáš Brousil ging von den Buchstaben und Ziffern dieses Abc aus und verwendete einige Elemente für das Ziffernblatt und den Zeiger. Mir gefällt, dass Bohematic traditionelle Uhrmacherverfahren mit modernem Design kombiniert. Die einzelnen Teile werden in ganz Europa gefertigt, wobei die finale Produktionsphase in Tschechien abläuft.
 
Wir haben über regionale tschechische Unternehmen gesprochen. Wohin würden Sie ausländische Besucher einladen, die sehen möchten wie tschechisches Qualitätsdesign entsteht?
Ganz bestimmt nach Karlsbad, wo seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die weltberühmte Glashütte Moser siedelt. Besonders interessant wäre auch eine Exkursion in die Möbelfabrik Ton in Bystřice pod Hostýnem, wo man die Fertigung von Bugholzmöbeln bewundern kann. Sehenswert ist auch das Museum über den Schuhhersteller Baťa in Zlín oder das Unternehmen Engelmüller, das an die Tradition der Handschuhherstellung in Dobříš anknüpft. Und auf jeden Fall empfehlenswert ist eine Exkursion zum Automobilhersteller Škoda. Unlängst habe ich die Produktionsstätte von Mazda besucht und ich wage zu behaupten, dass die Škoda-Werke viel interessanter und moderner sind. Sollten Sie ein Faible für Designerarbeiten haben, dann sind Sie in Tschechien genau richtig.