Auf Oscars Spuren durch Tschechien

Auf Oscars Spuren durch Tschechien

Das Land der Filmemacher

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Die tschechische Filmemacherkunst steht im Vergleich zum Rest der Welt gar nicht so schlecht da. Ganz im Gegenteil könnte man behaupten, dass die Tschechische Republik das Gelobte Land des Films sei.
Da die kommende Oscarverleihung vor der Tür steht, begeben wir uns gemeinsam auf die Spuren dieser Auszeichnung in Tschechien. Sie werden wahrscheinlich überrascht sein, wie viele Oscars schon von tschechischen Künstlern entgegengenommen wurden. Und wie viele Filme in der Tschechischen Republik gedreht wurden oder gerade gedreht werden, nicht nur die mit einer Oscarauszeichnung, sondern auch viele weitere Blockbuster.

1966 - Das Geschäft in der Hauptstraße (Obchod na korze)

Mit dem ersten Oscar wurde im Jahr 1966 der tschechoslowakische Film (die Tschechoslowakei zerfiel erst 1993 friedlich in die Slowakei und Tschechien) Das Geschäft in der Hauptstraße der beiden Regisseure Ján Kadár und Elmar Klos ausgezeichnet, der nach den Motiven der Novelle von Ladislav Grosman gedreht wurde. Doch heute finden Sie, bis auf die Prager Barrandov Filmstudios, leider keine Spuren dieses Films mehr, der die Schicksale einfacher Juden unter der slowakischen klerikal-faschistischen Regierung aufzeigt. Der Film wurde nämlich Größtenteils im Osten der Slowakei gedreht, der Heimat des Drehbuchautors.

1968 - Liebe nach Fahrplan (Ostře sledované vlaky)

Weitaus bekannter ist der Film Liebe nach Fahrplan, ein tschechoslowakischer Film, der unter der Regie von Jiří Menzel entstand und 1968 mit dem Oscar für den besten internationalen Film ausgezeichnet wurde. Der Film des tschechischen Regisseurs basiert auf der Novelle von Bohumil Hrabal, der gegen Kriegsende als Schaffner arbeitet und sich von der Explosion eines mit Munition beladenen deutschen Zuges inspirieren ließ, der im März 1945 von Partisanen in die Luft gesprengt wurde. Die Besetzung des ausschließlich in Tschechischen gedrehten Films bestand aus bekannten tschechischen Schauspielerinnen und Schauspielern. Als Drehort dienten, neben den Barrandov Filmstudios in Prag, die Gemeinde Loděnice und ein Bahnhof auf einer Nebenstrecke unweit von Prag. Heute beherbergt der Bahnhof das Museum der Bahnstrecke und des Films Liebe nach Fahrplan. Dem Film wurde auch ein kurzer Lehrpfad gewidmet.

Die Ära von Miloš Forman

Die meisten Oscars gewannen die Filme des tschechisch-amerikanischen Regisseurs Miloš Forman. Seine erste Auszeichnung erhielt er im Jahr 1976 für die Regie des Films Einer flog über das Kuckucksnest, der in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt spielt und insgesamt fünf Oscars gewann. 1985 beeindruckte Miloš Forman die Filmwelt mit seinem mit acht Oscars ausgezeichneten Filmdrama Amadeus. Damals handelte es sich um einen der Höhenpunkte des tschechischen Filmschaffens. Zusammen mit Regisseur Miloš Forman wurden auch der Kostümbildner Theodor Pištěk und der Filmarchitekt und Künstler Karel Černý, der für die Dreharbeiten sogar die Innenräume historische Gebäude in Prag umbauen ließ, mit dem Oscar ausgezeichnet.



Der damals in den USA lebende Forman sah in den Dreharbeiten zu Amadeus die einmalige Gelegenheit, in seine Heimatstadt zurück zu kehren. Sie fragen sich, wie er das während des kommunistischen Regimes geschafft hat? Die Zusage ging auf das unpolitischen Drehbuch und vornehmlich auf den finanziellen Aspekt zurück: die Filmleute haben in der ehemaligen Tschechoslowakei mehrere Millionen Dollar ausgegeben. Doch die Auswirkungen auf die tschechische Filmwelt waren enorm. Viele der Nebenrollen und kleineren Rollen wurden mit tschechischen Schauspielerinnen und Schauspielern besetzt. Gedreht wurde zwischen Januar und Juli 1983 vorwiegend in Prag und Kroměříž.
Als Kulisse dienten die prunkvollen Interieurs in der Residenz des Prager Erzbischofs und das herrliche Schloss des Erzbischofs in Kroměříž in Mähren, wobei auch in Prag auf dem Platz Hradčanské náměstí, in der Nerudova Straße, im Waldsteingarten, auf dem Platz Maltézské náměstí auf der Kleinseite, auf der Insel Střelecký ostrov, auf Burg Vyšehrad und im Wildgehege des wunderschönen Schlosses Veltrusy nördlich von Prag gedreht wurde. Selbstverständlich durfte das Prager Stavov Theater nicht fehlen, wo 1787 Mozarts Don Giovanni in Anwesenheit des Komponisten uraufgeführt wurde. Alle diese Orte sind auf jeden Fall sehenswert.

1997 - Kolja

Auf ihren nächsten Oscar mussten die Tschechen erst bis nach der Samtenen Revolution warten. Mit der goldenen Statue für den besten internationalen Film wurde 1997 der Regisseur Jan Svěrák für seine herzerwärmende Komödie Kolja ausgezeichnet. Gedreht wurde auf dem Vinohrady Friedhof in Prag, in mehreren tschechischen Krematorien sowie an vielen schönen Orten Tschechiens - in Úštěk, Franzensbad, auf dem Antýgl im Böhmerwald und am Fluss Vydra an der deutsch-österreichischen Grenze und selbstverständlich in Prag. Die romantische Turmwohnung eines der Hauptprotagonisten liegt in der Lázeňská Straße auf der Kleinseite, in der Nähe der Kirche Maria unter der Kette. Den Film sahen Fans in vierzig Ländern der Welt.

Weitere Oscargewinner

Den allerersten Oscar gewann im Jahr 1948 der damals elfjährige Ivan Jandl für den US-amerikanischen-Schweizer Film Die Gezeichneten (Poznamenaní). Noch als Sänger des Rundfunkkinderchors wurde er vom US-amerikanischen Regisseur Fred Zinnemann entdeckt und in die Hauptrolle dieses in Tschechien gedrehten Antikriegsfilms besetzt, in welchem es um die Schicksale von Kindern ging, die im Zweiten Weltkrieg im Rahmen des Dritten Reiches europaweit verschleppt wurden und nach dem Krieg in ihre Heimat zurückkehren wollten. Jandl spielt einen tschechischen Jungen, der von seiner Mutter gesucht wird. Als Kinderschauspieler wollten ihn auch andere internationale Produzenten unter Vertrag nehmen, doch das kommunistische Regime verwehrte ihm die Ausreise. Aufgrund der US-amerikanischen Auszeichnung durfte er kein Schauspielstudium absolvieren, und deshalb arbeitete er als Beamter, Künstlerischer Leiter und Rundfunkredakteur. Er starb im Jahr 1987.
Insgesamt fünf Oscarnominierungen wurden dem Kameramann mit tschechischen Wurzeln Franz Planer zu Ehren, doch leider blieb es nur bei den Nominierungen, denn ausgezeichnet wurde er nie. Großteils war es für die US-amerikanischen Filme „Champion“ 1949, „Der Tod des Geschäftsreisenden“ 1951, „Ferien in Rom“ 1953, „Die Geschichte einer Nonne“ 1959 und „Infam“ 1961.
Mit einem Oscar für den besten animierten Kurzfilm wurde der tschechische Regisseur Jan Pinkava (1998, Geris Spiel) ausgezeichnet, der auch für Ratatouille, seinen Computeranimationsfilm aus dem Jahr 2007, nominiert war. Der nächste Oscar ging 2007 an die tschechische Sängerin Markéta Irglová zusammen mit Glen Hansard für ihr gemeinsames Lied Falling Slowly zum irischen Film Once.

Blockbuster in Tschechischen und die Drehorte

Eine Vielzahl von berühmten Filmen und Serien wurde in der Tschechischen Republik gedreht, wie beispielsweise der Bond-Film Casino Royal, Mission Impossible, die Oscar-prämierte Biographie über Edith Piaf oder die ebenfalls oscarprämierte Satire Jojo Rabbit. Weiter dann Anthropoid, Asterix und Obelix: Mission Kleopatra, Blade 2, Brothers Bloom, Bad Company, Der neunte Tag, Hannibal, Das Tribunal, Hellboy, Chasing Liberty, The Illusionist, Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, Die Brücke von Remagen, Lord of War - Händler des Todes, Der Prinz und ich, Der Prozess, Treffpunkt Todesbrücke, Ritter aus Leidenschaft, Spy Game, Underworld, Nosferatu - Phantom der Nacht, Van Helsing…
Noch bevor wir die attraktivsten Drehorte vorstellen, müssen wir den nationalen Stolz präsentieren - die bereits erwähnten Barrandov Filmstudios, ein weitläufiges Gelände im Prager Stadtviertel Barrandov, wo seit 1933 Dreharbeiten stattfinden. Völlig zu Recht werden die Studios aufgrund des lang anhaltenden Interesses westlicher Produktionsfirmen auch „Hollywood des Ostens“ genannt. Seit 2010 ist das Interesse an Dreharbeiten in Tschechien aufgrund der staatlichen Förderungen sprunghaft angestiegen.

Prag

Insbesondere die Prager Altstadt wurde zur Kulisse unzähliger Blockbuster und oscarprämierter Filme. Gedreht wurden hier beispielsweise das rührende Filmdrama über das jüdische Mädchen Yentl mit Barbra Streisand, der Actionfilm Mission Impossible mit Tom Cruise, der bereits erwähnte Oscar-Film Amadeus, der Actionfilm The Bourne Identity mit Matt Damon und der Fantasy-Actionfilm Blade 2 mit Wesley Snipes, der Fantasyfilm Hellboy und die Horrorfilme Van Helsing und Hostel.

Žatec

Das wunderschöne, historische Städtchen in Westböhmen gehört zu den begehrtesten Filmlocations überhaupt. Man sagt, dass die Stadt Žatec - genauso wie ein exzellenter Schauspieler/eine exzellente Schauspielerin - einfach alles spielen kann: ein jüdisches Ghetto, London zu Lebzeiten von Charles Dickens, Paris während der Revolution, eine Kriegsfront, Kulisse für romantische Spaziergänge aber auch verrückte Verfolgungsjagden. Zuletzt wurde hier die oscarprämierte Satire Jojo Rabbit mit Scarlett Johansson gedreht. Ihr hohes Renommee unter den Filmemachern verdankt die Stadt dem bereits erwähnten, 40 Jahre alten Film Yentl. Damals handelte es sich jedoch um keinen Zufall. Denn Barbara Streisands Großmutter stammte tatsächlich aus Žatec, genauer aus der Straße, wo die Szenen in und vor den Geschäften gedreht wurden, unweit der Synagoge.

In der Stadt wurde 1997 auch Les Misérables  basierend auf dem Roman von Victor Hugo mit Liam Neeson in der Hauptrolle gedreht sowie später Oliver Twist... In der Sladovna Galerie lädt die Ausstellung „Žatec im Film“ mit kurzen Ausschnitten aus den in dieser Stadt gedrehten Filmen zu einem Besuch ein.

Schloss Ploskovice

Das romantische Schloss unweit der Stadt Litoměřice wurden ebenfalls mehrmals von ausländischen Filmproduktionen aufgesucht. Neben dem bereits erwähnten Amadeus von Miloš Forman, wurden hier die US-amerikanische romantische Komödie „Der Prinz und ich“ mit Julie Stiles und beispielsweise die BBC-Serie Die Musketiere gedreht.

... und weitere

Weitere Drehorte sehen wir uns nur kurz im Überblick an. Die historische südböhmische Stadt Böhmisch Krumau diente Dutzenden Produktionen als Filmkulisse – wie beispielsweise im erwähnten Yentl, Van Helsing oder im Horrorfilm Hostel. Auf Burg Pernštejn spielte der Horrorfilm Van Helsing, das romantische Schloss Hluboká diente als Vampirsitz für das Fantasy-Epos Underworld: Blood wars. In der berühmten Kurstadt Karlsbad entstand der Bond-Streifen Casino Royal mit Daniel Craig. Auf Burg Křivoklát, Schloss Kačina oder in Kutná Hora wurde das Fantasyabenteuer Brothers Grimm von Regisseur Terry Gilliam mit Hollywoodstars wie Matt Damon und Heath Ledger gedreht.