Auf den Spuren des Kommunismus

Auf den Spuren des Kommunismus

Vor uns liegt der Jahrestag des Falls des Eisernen Vorhangs und des kommunistischen Regimes in ganz Osteuropa. Begeben Sie sich mit uns auf die Spuren der Geschichte.

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Die Tschechische Republik, damals hieß sie noch Tschechoslowakei, gelangte nach dem Zweiten Weltkrieg für mehr als 40 Jahre unter den Einfluss der kommunistischen Sowjetunion. Der „Eiserne Vorhang“ schloss sich und entlang der westlichen Grenzen mit dem freien Europa wurde ein Maschendrahtzaun errichtet. Auf Freiheit und Demokratie musste die tschechische Bevölkerung bis ins Jahr 1989 warten. Am 17. November gedenken wir der sog. Samtenen Revolution, welche die Herrschaft des kommunistischen Regimes beendete. Eines Regimes, das sich in die Erinnerung der Menschen, in die Landschaft und Städte einprägte.

Samtene Revolution und Feiern zum Jahrestag

Das kommunistische Regime wurde in der damaligen Tschechoslowakei durch die Massendemonstrationen im ganzen Land gestürzt. Diese nahmen ihren Anfang am 17. November 1989, als die Staatssicherheit mit voller Härte gegen eine friedliche Studentendemonstration vorging. Es gab zwar Dutzende Verletzte, jedoch keine Todesopfer, und daher erhielt der Umbruch später den Beiname Samtene oder auch Sanfte Revolution. In diesem Jahr werden in Prag in der Straße Národní třída – der Straße, wo alles begann – und auf dem Stadtplatz náměstí Václava Havla beim Nationaltheater im Rahmen des Events „Díky, že můžem!“ (frei: Danke, dass wir können!) Dutzende Konzerte, Theatervorstellungen, Autorenlesungen der literarischer Werke des ehemaligen politischen Häftlings und späteren tschechischen Präsidenten Václav Havel, Ausstellungen sowie Kinderprogramme angeboten. In den Abendstunden wird das musikalische Programm im Rock Cafe fortgesetzt. Der Musikclub entstand kurz nach der Revolution als spontane Reaktion von Musikern und Künstlern aus dem einstigen Dissens auf die neue Freiheit in der Musikszene.

Prager Denkmäler und Museen

Sollen Sie Prag besuchen, die Feierlichkeiten zum 17. November jedoch nicht schaffen, dann unternehmen Sie doch einen Spaziergang durch die Kleinseite und den Park auf der Anhöhe Petřín. Am Fuße der Anhöhe steht das eindrucksvolle Denkmal für die Opfer des kommunistischen Regimes in Form der Statuengruppe des unlängst verstorbenen Bildhauers Olbram Zoubek. Die Statuen korrodieren langsam und symbolisieren so die Entschlossenheit und Ausdauer der politischen Häftlinge, die insbesondere in den 1950er Jahren die Gefängnisse und Arbeitslager füllten. Eine sehr gut aufbereitete Ausstellung über das ehemalige Regime bietet das Museum des Kommunismus (Muzeum komunismu), unweit des Wenzelsplatzes. Das Museum präsentiert den Alltag derjenigen Menschen, die abgehört und politisch verfolgt wurden. Sie erfahren, wie der Geheimdienst und die Staatspropaganda arbeiteten.
 

Architektur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Das kommunistische Regime stellte in den 1950er Jahren nicht nur die politische Szene auf den Kopf, sondern wirkte sich auch massiv auf die Kunst und Architektur aus. Aus der Sowjetunion wurde der Kunststil namens Sozialistischer Realismus übernommen. Maler stellten Szenen aus dem Dorfleben oder der Schwerindustrie dar, und anstatt der Abstraktion wandte man sich dem aus der Praxis des 19. Jahrhunderts hervorgehenden Realismus zu. Einzig mit dem Unterschied, dass auf den Gemälden Frauen beim Härten von Stahl oder Männer beim Mähdreschen auf riesigen Feldern dargestellt wurden. Diese Ideologie spiegelte sich auch in der Architektur wider. In Prag finden Sie heute noch ein ganzes Stadtviertel, das nach den Plänen des sozialistischen Realismus erbaut wurde. Erwähnenswert ist auch das Hotel International, die kleinere Kopie der Moskauer Hochhäuser. In noch größerem Umfang wurde dieser Stil in Ostrava-Poruba umgesetzt, wo ein ganzes Stadtviertel für fast 50 000 Menschen errichtet wurde. Heute steht es als das Erbe dieser Epoche unter Denkmalschutz.

In der Ära der kommunistischen Diktatur wurde jedoch nicht nur nach Moskauer Vorbild gebaut. In den 1960er Jahren herrschte politisches Tauwetter und junge Architekten ließen sich von dem damals im Westen modernen Architekturstil, dem Brutalismus, inspirieren. Die Bauten waren wuchtig und typischerweise aus Beton, Glas und Stahl erbaut. Dieser Stil ließ die Baustoffe absichtlich unbearbeitet, wobei die weitflächigen unbearbeiteten Wandflächen mit verglasten Konstruktionen oder kleinen Fenstern kontrastierten. Die Gebäude waren bei vielen Menschen unbeliebt, doch heute finden sie langsam ihren Platz in Architektur-Lehrbüchern und man spricht darüber, sie unter Denkmalschutz zu stellen. In Prag können Sie beispielsweise das Neue Gebäude des Nationalmuseums oder das Kaufhaus Kotva in der Altstadt, und in Karlsbad wiederum das Hotel Thermal bewundern, wo jedes Jahr im Frühsommer das Internationale Filmfestival Karlovy Vary stattfindet.
 
Monument to the victims of the Communist regime

Monument to the victims of the Communist regime