Tschechische Ostern

Tschechische Ostern

Lassen Sie sich von den Feierlichkeiten der Osterwoche in der Tschechischen Republik inspirieren!

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Ostern steht ganz im Zeichen des Frühlingsbeginns. Dieser bewegliche Feiertag fällt in der westlichen christlichen Tradition auf das erste Wochenende nach dem ersten Frühlingsvollmond, der auf die Tag- und Nacht-Gleiche folgt, im März bzw. im April. Dieses Jahr fällt der Termin auf den 2. – 5. April. Die Feierlichkeiten rund um das Osterfest reichen bis weit in die Geschichte zurück. Die Tschechische Republik ist – ähnlich wie andere europäische Länder – in der jüdisch-christlichen Kultur verwurzelt, und deshalb geht dieser Frühlingsfeiertag auf heidnische, jüdische und christliche Traditionen zurück. Heute steht jedoch das gesamte Fest im Zeichen des Christentums, an welchem Gläubige der Auferstehung Jesu Christi von den Toten gedenken.

Karwoche und Osterbräuche

Die Woche vor Ostersonntag wird als Karwoche bezeichnet. Wobei der erste wichtige Tag für die Christen der Karmittwoch ist, der an Judas Verrat an Jesus erinnert. Im Tschechischen wird dieser auch Rußfeger-Mittwoch genannt, weil an diesem Tag der Ruß aus den Schornsteinen gefegt wurde. An diesem Tag wird im Haushalt geputzt, wobei man dabei nicht hässlich dreinschauen sollte, da sich einem Aberglauben nach dieser Gesichtsausdruck an jedem Mittwoch im Jahr wiederholen könnte. Am Gründonnerstag sollte man Spinat, Kohl oder beispielsweise Brennnesselsalat essen, um das ganze Jahr über gesund zu bleiben, wie uns ein anderer Osterbrauch verrät. Bei der Heiligen Messe am Donnerstag läuten zum letzten Mal die Kirchenglocken, bevor Sie laut dem Volksmund „nach Rom fliegen“. Am Karfreitag werden kleine und große, an Schubkarren befestigte Schlagbretter oder Ratschen genutzt, um die Gläubigen an die Gebets- und Gottesdienstzeiten zu erinnern. Am Karfreitag gedenkt man der Leiden und des Todes Jesu Christi und sollte streng fasten. Der Karsamstag ist für Gläubige der Tag der Stille und Erwartung, wobei an diesem Tag die Häuser mit Kalk geweißt und geputzt wurden, weshalb dieser Tag auf Tschechisch der Weiße Samstag heißt. Man musste sich gebührend auf den Ostersonntag vorbereiten, denn schließlich durften ein festlich gedeckter Tisch mit gefülltem Osterbraten, Osterlamm und Gebäckvariationen aus Hefeteig, wie die traditionellen „jidáše“, nicht fehlen. Am Sonntag findet das Osterfest seinen Höhepunkt, an dem Gläubige in die Kirche strömen und die Auferstehung Jesu Christi feiern. Und der Ostermontag? Der Montag steht ganz im Zeichen der volkstümlichen Bräuche und Traditionen! Und welche wären das?

Bemalte Ostereier – tsch. „kraslice“

Nicht nur in der Tschechischen Republik gehören verzierte Eier als Zeichen der Fruchtbarkeit und des neuen Lebens zu den wichtigsten Symbolen des Osterfestes, wobei sie heutzutage nur noch ihren dekorativen Zweck erfüllen. Die Schalen ausgeblasener Eier werden je nach überlieferten Familien- oder regionalen Traditionen verziert, die geographisch stark variieren. Zu bewundern gibt es bemalte, gekratzte, bunte oder in Zwiebelschalen bzw. mit natürlichen Farben gefärbte, geätzte, mit Draht oder mit Wachs verzierte oder perforierte Ostereier. Besonders traditionsreich ist beispielsweise das Verzieren mit Stroh. Dabei wird die Eierschale zunächst gefärbt und dann mit winzig kleinen Stückchen speziell bearbeiteten Strohs beklebt. Eine besonders schöne Anleitung dazu finden Sie hier. Einige der Ostereier sehen wie kleine Kunstwerke aus und benötigen dementsprechend bis zu mehrere Tage, um dekoriert zu werden. Und dabei sind sie so zerbrechlich!

Die Osterrute – tsch. „pomlázka“

Ein weiterer tschechischer Osterbrauch ist seit Jahrhunderten das symbolische „Schlagen“ der Mädchen und Frauen mit einer von Hand geflochtenen Osterrute. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem 14. Jahrhundert, wobei diese Tradition wahrscheinlich viel älter ist und bis in die vorchristliche Zeit zurückreicht. Die Jünglinge und Männer „schlugen“ ihre Liebsten mit Weidenruten, damit diese lange gesund und jung blieben. Später kam das Flechten von mehreren Ruten in Mode und schließlich wurde die möglichst lange und aufwendig geflochtene Osterrute zum ganzen Stolz ihres Besitzers. Bis heute werden Osterruten von teilweise mehreren Metern Länge geflochten, die jedoch ganz einem dekorativen Zweck dienen. In der Tschechischen Republik ist der Brauch, dass am Ostermontag Jungen und Männer von Haus zu Haus gehen und Mädchen sowie Frauen symbolisch „schlagen“ immer noch lebendig, wobei an vielen Orten langsam am Verschwinden. Als Dank erhalten sie bemalte Ostereier, eine farbenfrohe Schleife zum Binden um die Osterrute, Süßigkeiten oder etwas zum Anstoßen. Insbesondere in Mähren mit der lebendigen Tradition hausgebrannter Schnäpse ist dieser Brauch bei Männern beliebt.

Wo Traditionen lebendig sind

Tschechische volkstümliche Bräuche und Traditionen werden in allen Freilichtmuseen gelebt. Zu den beliebtesten Veranstaltungen gehört Ostern in der Walachei (tsch. Velikonoce na Valašsku) im Freilichtmuseum in Rožnov pod Radhoštěm in Mähren. Dieses Jahr muss es aufgrund der Corona-Krise jedoch leider ausfallen. Wir können nur hoffen, dass sich die Situation bis zum nächsten Jahr beruhigt. Ein weiteres Freilichtmuseum, wo Osterbräuche gelebt werden, ist das Freilichtmuseum Veselý Kopec in Ostböhmen. Meist werden alle historischen Gebäude festlich geschmückt und die Besucher besonders herzlich empfangen. Die in historische Kostümen gekleideten Mitarbeiter präsentieren volkstümliche Traditionen und Bräuche, von denen einige bereits vergessen sind. Meist können Sie hier auch ein kleines Andenken basteln.

Religiöse Bedeutung

Dank der katholischen Tradition in der Tschechischen Republik konnte sich das Osterfest auch seine religiöse Bedeutung erhalten. An diese erinnern gleich mehrere Wallfahrtsorte, wie der Heilige Berg bei Příbram in Mittelböhmen, die römisch-katholischen Pilgerstätte Velehrad in Mähren und der Grünberg bei Žďár nad Sázavou, der auf der UNESCO-Liste des Kulturerbes steht.