Besuchen Sie uneinnehmbare Militärfestungen

Besuchen Sie uneinnehmbare Militärfestungen

Im Zeitraum von 1935 bis 1938 entstand auf dem Gebiet der damaligen Tschechoslowakischen Republik ein einzigartiges Befestigungssystem, das baulich und technisch europaweit zu den besten seiner Art gehörte.

Seit Beginn der Entstehung der Tschechoslowakei wurde der Bau eines Grenzschutzsystems erwogen. Als 1933 im benachbarten Deutschland Adolf Hitler das Kanzleramt antrat, verstärkte sich der Wunsch, die Republik und ihre Grenzen zu schützen. Im Laufe weniger Jahre entstand entlang der Grenze daher ein Festungsbausystem, das dank seiner durchdachten Bauweise in Europa seinesgleichen suchte. Das Rückgrat der Verteidigung der Tschechoslowakischen Republik hätten massive Militärfestungen für Hunderte Mann Besatzung bilden sollen. Es wurden Dutzende solcher Festungen und Bunker gebaut oder waren im Entstehen begriffen, und einige von ihnen können Sie sogar besichtigen. Falls Sie sich für Militärgeschichte begeistern können, dann zögern Sie nicht – es zahlt sich wirklich aus!

1. Bunker Hanička

Wo: nördlich der Stadt Rokytnice im Adlergebirge (Orlické hory), Ostböhmen
Die Artilleriefestung Hanička besteht aus insgesamt sechs unterirdischen militärischen Bauwerken, die durch Gänge und Säle mit hunderten Metern Länge verbunden sind. Denn genau dort sollten umfassende Vorräte gelagert werden, welche die Truppen auch im Falle monatelanger Belagerungen einsatzbereit halten sollten. Heute sind hier Waffen ausgestellt, die von der tschechoslowakischen Armee nach 1938 und nach dem Zweiten Weltkrieg genutzt wurden. Bestandteil ist auch eine kleine Munitions- und Uniformensammlung aus beiden Epochen unserer Geschichte. Besichtigen können Sie auch die Unterkünfte und Büros, die Wasseraufbereitungsanlage und den Behandlungsraum, den Speisesaal und die Sanitäranlagen.
Die Festung wurden in den Jahren 1936 – 1938 als Teil der tschechoslowakischen Grenzbefestigung erbaut und hätte 426 Mann Besatzung dienen sollen. Ab der zweiten Hälfte der 70er Jahre begann man mit dem geheimen Umbau der Festung Hanička in einen Atomschutzbunker.

2. Festung Dobrošov

Wo: unweit der Stadt Náchod, Ostböhmen
Auch diese Festung wurde nie fertiggestellt. Die heutigen Besichtigungsrundwege führen vom Artilleriebunker, über das Munitionslager, durch den zusätzlich verstärkten Gang der Hauptgalerie, die Kasernensäle, den Behandlungsraum und enden in einem weiteren Bunker. Der unterirdische Teil der Festung ist an mehreren Stellen verschüttet und unpassierbar. Interessant ist, dass in dieser Festung im Jahr 1943 unter strengen Sicherheitsvorkehrungen Tests einer der sog. Geheimwaffen des Dritten Reiches, des Röchling-Geschosses, stattfanden. Dieses konnte bei direktem Einschlag sogar 2,5 m dicken Stahlbeton einer Festung durchbrechen. In Dobrošov wurde aus einer Entfernung von knapp 300 Metern das Bauwerk N-S 72 Můstek beschossen. In den Überresten dieser Festung wurde 1984 ein Projektil dieses Geschosses entdeckt, das bis heute im Saal des Betriebsareals ausgestellt wird.

3. Artilleriefestung Stachelberg

Wo: südlich von Žacléř im Riesengebirge
Der unterirdische Teil der Festung Stachelberg stellt mit seiner Größe ein einzigartiges Befestigungssystem dar – insgesamt handelt es sich um 3,5 km Gänge und Säle in einer Tiefe von 25 bis 60 Metern unter der Erdoberfläche. Für diese Festung war eine Besatzung von 778 Mann vorgesehen. Für den Fall einer Umzingelung von allen Seiten und anhaltender Kämpfe sollte die Festung bis zu zwei Monate lang dem Feind standhalten – für so lange waren die Vorräte an Munition, Lebensmitteln, Kraftstoffen und die weitere Ausrüstung vorgesehen. Die nicht mehr fertiggebaute Festung beherbergt heute das militärhistorische Museum. Sie finden hier auch einen wirklich einmaligen Bunker, der mit seiner Beton-Kubatur (3 177 m3) einen der größten Artilleriebunker der tschechoslowakischen Artilleriebefestigung darstellt! Im Museum werden Artilleriewaffen sowie Modelle von militärischen Befestigungsanlagen ausgestellt. Den Höhepunkt der Besichtigung stellt ein Tisch von 8 x 2,5 m Größe dar, der das Relief der Artilleriefestung Stachelberg nach ihrer Fertigstellung darstellt.

4. Festung Hůrka

Wo: nordöstlich der Kleinstadt Králíky in Ostböhmen
Die Artilleriefestung Hůrka zählt zu den fünf baulich fertiggestellten Festungen in der Tschechischen Republik, die Bestandteil der tschechoslowakischen Grenzbefestigung gegen Deutschland waren. Hůrka ist ein Komplex aus fünf Bauwerken mit höchster Schutzklasse, die tief unter der Erdoberfläche ein sehr weitläufiges System aus Gängen und Sälen mit 1,75 km Gesamtlänge verbindet. Die Militärbauten der Festung wurden so errichtet, dass sie allen damals bekannten Waffen standhielten. Heute handelt es sich um die am besten zugängliche große moderne Festung in der Tschechischen Republik, die ganzjährig Besuchern ihre Pforten öffnet. Zur Besichtigung laden wertvolle Exponate, wie beispielsweise die Schiebe-Panzertür in der Einfahrt sowie ein funktionsfähiger Schrägaufzug ein – Schienen mit Lokomotive und Waggons einer Schmalspurbahn. Im Untergrund der Festung entstehen schrittweise verschiedene Ausstellungen. Die neue Ausstellung namens „Mit dem Fallschirm über dem Kopf“ (S padákem nad hlavou) ist tschechoslowakischen Fallschirmjägern gewidmet, die im Zweiten Weltkrieg kämpften. Es handelt sich um die einzige Ausstellung dieser Art in der gesamten Tschechischen Republik.

5. Festungsareal Slavonice

Wo: 2 Kilometer westlich von Slavonice
Falls Sie wissen möchten, wie die Befestigungslinie im September 1938 aussah, dann besuchen Sie Südböhmen. Hinter der Stadt Jindřichův Hradec, knapp 2 km westlich von Slavonice entfernt, erwartet Sie eine Befestigungslinie, die aus einem System an Beobachtungs- und Schießschneisen sowie Artillerie- und Panzerhindernissen mit einer Länge von fast 200 m besteht. Weiter finden Sie auch 11 Bunker, die rekonstruiert wurden und sich wieder im Zustand wie zur Zeit der Mobilisation im September 1938 befinden. Zur Besichtigung laden zwei voll ausgestattet und bewaffnete Bunker ein, von denen jeder aus einer anderen Ära stammt – einer aus dem Jahr 1938 und der andere aus dem Jahr 1963. Zu sehen gibt es historische Maschinengewehre, Pistolen und Maschinenpistolen, einen funktionsfähigen manuellen Ventilator und Periskope, die Ausrüstung der Besatzung und weitere Ausstattung.