Herbst in den Barockgärten der gesamten Tschechischen Republik

Herbst in den Barockgärten der gesamten Tschechischen Republik

Die Schönheit des Barocks besteht aus üppigen Formen, der Herbstzauber wiederum aus verschiedenen Farben. Deren Verbindung bedeutet daher ein Erlebnis!

Dynamik, Großartigkeit und Emotionen. So könnte man kurz und bündig das Barock beschreiben, ein Kunststil, der sehr deutlich das Gesicht der tschechischen Städte mit seiner pompösen und dekorativen Art geprägt hat. Sehenswürdigkeiten aus der Barockzeit finden Sie überall in Böhmen, Mähren und Schlesien. Und es handelt sich nicht nur um Schlösser oder Kirchen, Perlen der Barockkunst sind auch die Gärten. Da sie gerade jetzt, wo in der Tschechischen Republik Herbst ist, besonders gut aussehen, ist es die richtige Zeit, um Ihnen die barocken Gärten vorzustellen.

Barock in den Gärten von Prag

Es gab eine Zeit, zu der das Prestige der Adeligen durch ihre Kleidung, Kutschen, Sitze und Gärten manifestiert wurde. Gerade zu dieser Zeit sind die Gärten unter der Prager Burg und unter Petřín gestaltet worden. Da jedoch einen Garten an so einem steilen Hang anzulegen und zu pflegen nichts einfaches war, haben die Inhaber Wert darauf gelegt, dass Ihre Gärten den Vorübergehenden und Besuchern den Atem raubten. Schwer zu sagen, ob sie schon damals ahnten, dass ihre Mühe auch im einundzwanzigsten Jahrhundert Eindruck erwecken wird, doch ungeachtet dessen – es wirkt!

Die Gärten unter der Prager Burg gehören zu den beliebtesten Touristienattraktionen. Das gegliederte Gelände wird von Terrassen, Balkons, Treppen, Brunnen, Springbrunnen und romantischen Ecken geziert und deshalb merken Sie gar nicht, welchen Höhenunterschied Sie auf dem Weg zum Tor der Prager Burg zurückgelegt haben. Sie vergessen sogar für einen Moment, dass Sie sich im Zentrum einer lauten Großstadt befinden, da die Gartenkulissen ein wenig wie aus einem phantastischen Märchen wirken. Und das Gleiche gilt für den Petřínské zahrady-Park.

Die Gruppe der Parks unter der Burg wird von insgesamt fünf Gärten gebildet: Ledebur-Garten, Großer Palffy-Garten, Kleiner Palffy-Garten, Kolowrat-Garten und Kleiner Fürstenberg-Garten. Zu den auf Petřín gehören der Vratislav-Garten, der Schönbrunn-Garten, der Lobkowitz-Garten und der Vrtba-Garten. Alle sind schön und alle haben ihre Fans, die hier ihre freie Zeit verbringen, um Körper und Geist zu erfreuen. Im Zusammenhang mit dem Barock müssen wir auch denjenigen nennen, der als der schönste Garten dieses Stils in Prag gilt. Und man sagt sogar, dass es der schönste Garten dieser Art nördlich der Alpen ist. Diesen Titel trägt der Vrtba-Garten.

Im Herbst (am 31. Oktober) verabschiedet er sich von der Saison und bei dieser Gelegenheit können auch Sie die feierliche Beleuchtung des Gartens bewundern, die hier nur zwei Mal jährlich stattfindet. Die Gärten unter der Prager Burg locken wiederum mit der herbstlichen Atmosphäre beim Apfel-Weekend (17. Oktober – 19. Oktober), wo die Besucher während der verlängerten Öffnungszeiten alles kosten können, was aus Äpfeln hergestellt wird – von Kuchen bis zu Säften.

Ein wunderschöner Barockgarten ist auch der in der Nähe des Schlosses Troja, zu dem Sie jedoch etwas weiter vom Prager Zentrum hinfahren müssen, was sich allerdings auf jeden Fall lohnt. Zudem befindet sich gleich daneben ein weiterer Prager Garten – ein zoologischer, der zu den fünf besten der Welt gehört.

Barock auf der Liste der UNESCO

Ein Barockgarten ist ein untrennbarer Teil des Schlossareals in Český Krumlov und als solches auch auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO eingetragen. Český Krumlov in Südböhmen gehört zu den meist besuchten Städten in ganz Tschechien. Und der Grund ist eben das Renaissance/Barock-Schloss auf dem Berg über der malerischen, historischen Stadt.

Weitere Barockgärten, die die Tschechische Republik auf der UNESCO-Liste repräsentieren, sind diejenigen in Kroměříž in Mähren. Der Blumengarten hinter den Stadtmauern entstand in der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts, an der Stelle, wo früher die unfruchtbaren Sümpfe lagen. Heute gibt es hier außer einer Rotunde mitten im Areal und der geometrisch angeordneten Beete auch eine Kolonnade, die früher als Haupteingang diente. Der Blick von oben, von der Kolonnade lässt die komplizierten Beetemuster und Hecken besonders gut aussehen.

Der Schlossgarten zwischen dem Erzbischof-Schloss und dem Fluss Morava ist wegen seiner Pflanzen und Lebewesen, die darin leben, berühmt. Es kann also passieren, dass Sie bei einem Spaziergang durch diesen Schatz in Kroměříž wissbegierigen Botanik-Studenten antreffen.

Barock in Mähren und Böhmen

Unweit von hier (etwa eine halbe Stunde mit dem Auto) befindet sich das Schloss Buchlovice, das zu den einem der wichtigsten Barocksitze in der Tschechischen Republik gehört. Bedeutend ist er vor allem deshalb, weil er schön ist. Das gilt natürlich auch für den Garten. Buchlovice ist ein Werk der Liebe. Der adelige Graf Johann Dietrich von Peterswald (tschechisch: Jan Dětřich Petřvaldský) ließ es für seine italienische Gemahlin erbauen. Um seine Ehefrau zu beeindruckt, hat er führende Wiener Architekten beauftragt, die die Pläne auf Wunsch des Grafen mehrmals umarbeiten mussten. Doch es lohnte sich, das Schloss Buchlovice jetzt die authentischste italienische Barockvilla in Mitteleuropa.

Wenn wir von Mähren zurück nach Böhmen fahren, müssen wir zwingend durch die Landschaft des Böhmischen Hochlandes fahren, das viele Schätze verbirgt. Wenn man über Barockgärten spricht, dann muss man stehen bleiben und Jaroměřice nad Rokytnou vorstellen. Das hiesige Schloss war zu seiner Zeit  – das heißt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts – eins der mächtigsten Bauten in Europa und zugleich ein Kulturzentrum, das hier der Fürst Jan Adam Questenberk gegründet hat (er hatte sogar eine eigene Kapelle und der Kapellmeister, František Václav Míča, komponierte hier die erste tschechische Oper). Auch der Schlossgarten, der sich auf einer künstlich angelegten Insel mit der Größe neun Hektar erstreckt, ist sehr weitläufig.

 
Wenn wir dann weitere Barockgartenschätze besuchen wollen, dann müssen wir nach Ostböhmen, wo wir das Areal des Hospitals Kuks finden. Der einzigartige Barockkomplex wurde vor einigen Jahren restauriert und erfreut sich steigender Beliebtheit. Radfahrer, die hier eine Pause auf ihrer Fahrt auf dem Elberadweg legen, oder Touristen, die die heutzutage die Szenerie und Geschichte schätzen, in der auch der hiesige Barockgarten eine wichtige Rolle spielte und der von berühmten Statuen der Lasten und Tugenden von Matthias Bernard Braun geprägt ist. Ein Teil des Areals ist auch der mehr als zweihundert Jahre alte Kräutergarten, wo seit der Spitalsgründung nicht nur heilende Kräuter, sondern auch Obst und Gemüse für die hiesige Küche kultiviert werden. Mit dem traditionellen Fest des Heiligen Hubertus (am 1. Oktober) wird der Herbst begrüßt und die Saison verabschiedet.

Der weitere Weg zu den Barockgärten führt nach Nordwesten, konkret auf das Schloss Duchcov, das nicht nur durch seinen frei zugänglichen wunderschönen Barockgarten interessant ist, sondern auch dadurch, dass der berühmte Liebhaber Giacomo Casanova hier seinen Lebensabend verbrachte. Er verbrachte in Duchcov 13 Jahre. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen unglücklichen Dreizehner handelt, da der Weltbummler und Philosoph das 14. Jahr nicht mehr erlebte. Er wurde bei der hiesigen Kapelle begraben, wo eine Gedenktafel an ihn erinnert. Das Schloss bietet auch eine neue Ausstellung an, die die Welt der Antike mit der Welt des Barocks verbindet.
 
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