Die romantischsten Bahnstrecken Tschechiens

Die romantischsten Bahnstrecken Tschechiens

HomeReiseinfosReisen mit dem ZugDie romantischsten Bahnstrecken Tschechiens
2021 ist das Europäische Jahr der Eisenbahn (European Year of Rail). Aus diesem Anlass möchten wir Ihnen / Euch die schönsten Eisenbahnstrecken Tschechiens präsentieren. Erleben Sie romantische Bahnfahrten und genießen Sie dabei die vorbeiziehenden Landschaften. Hier ist unsere Auswahl mit zehn individuellen Ausflugstipps:
Die Zahnradbahn von Kořenov („Kořenovská Zubačka“) im Isergebirge in Nordböhmen ist die einzige ihrer Art in ganz Tschechien. Besonders für Fans historischer Eisenbahnen ist sie zu einer der beliebtesten touristischen Attraktionen in der Region geworden. Die außergewöhnliche Bahn verkehrt auf einer Strecke von 12 Kilometern auf der steilsten Eisenbahnlinie Tschechiens von Tanvald über Kořenov bis nach Harrachov. Ein Teil der einzigartigen Strecke, der sieben Kilometer lange Abschnitt Tanvald-Kořenov, wurde 1992 vom tschechischen Kultusministerium sogar zum Kulturdenkmal erklärt. In der Sommersaison können sich Bahnliebhaber auf zahlreiche "Nostalgiefahrten" vor allem an den Wochenenden freuen: sie sind DIE Gelegenheit, in Eisenbahnwaggons mitzufahren, die von der historischen Zahnradlokomotive gezogen werden. Die gesamte Bahnlinie besticht durch mehrere interessante Bauten, wie etwa fünf Tunnels, von denen der längste 940 Meter misst. Auf dieser Strecke überwindet die Bahn den größten Höhenunterschied von 235 Metern mit einer maximalen Steigung von bis zu 58 %, das ist Rekord in Tschechien. Aus dem denkmalgeschützten Bahnhof in Kořenov (701 ü. M.) fährt die Zahnradbahn in einem hufeisenförmigen Bogen über ein 26 Meter hohes Viadukt über den Fluss Jizera. Dort überquert sie auch die Grenze zwischen Isergebirge und Riesengebirge und erreicht wenig später ihr Ziel, den Bahnhof Harrachov. Weitere Informationen unter www.zubacka.cz

Landschaftlich reizvoll ist jedoch die gesamte Bahnstrecke schon ab Liberec. Von der nordböhmischen Metropole bedient die Tschechische Bahn die Strecke zwar weniger spektakulär „nur“ in modernen Regio-Zügen, dafür aber im Stundentakt. Der Ausblick aus dem Fenster ist etwas ganz besonderes, denn stetig bergauf bahnt sich der Zug seinen Weg durch das Isergebirge, nachdem er auf einem Kamm in einer Schleife auch die berühmte Glasbläserstadt Jablonec nad Nisou umkreist hat. In Harrachov angekommen führen die Schienen noch weiter bis nach Szklarska Poreba (Schreiberhau) auf die polnische Seite des Riesengebirges.

2. Eine Zugfahrt mit dem legendären Posázavi-Pazifik (Posázavský pacifik) in Mittelböhmen ist an und für sich schon beeindruckend, mit einer Prise Nostalgie und Romantik wird sie noch zusätzlich aufgepeppt. Der Name Pazifik stammt noch aus den 1920er Jahren, hat sich seitdem unter Wandersleuten weit verbreitet und ist bis heute populär geblieben. Die südlich von Prag gelegene kleine Tourismusregion Posázaví avancierte zum beliebten Ausflugsziel, vor allem unter Ausflüglern aus der nahe gelegenen Hauptstadt. Besonders reizvoll ist die Eisenbahnstrecke von Prag nach Čerčany, denn sie führt durch mehrere Tunnels und über Viadukte durch das Tal des Flusses Sázava. Ihr schönster Abschnitt liegt ohne Zweifel zwischen Kamenný Přívoz und Pikovice und wird auch liebevoll Goldener Canyon genannt. Ein Ausflug mit dem Pazifik kann man auch perfekt mit einem Spaziergang auf dem ebenso berühmten Posázavská-Weg kombinieren. Weitere Tipps zur Strecke finden Sie hier: https://www.visitczechrepublic.com/de-DE/67ec3b5b-3ec4-470f-b81c-9eeef0f168fc/place/c-posazavi-pacifik-train

3. Die Švestková dráha (dt. Pflaumen- bzw. Zwetschkenbahn) ist eine weitere historische Lokalbahn und durchquert das malerische Böhmische Mittelgebirge. Dabei verbindet sie die Städte Lovosice an der Elbe und Most (Brüx) am Fuße des böhmischen Erzgebirges. Die Geschichte der Bahn reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, genauer bis ins Jahr 1898, als sie auf dieser Linie ihre Jungfernfahrt antrat. Seit jeher hat die Strecke allerhand zu bieten: eine Vielzahl an Denkmälern in der Umgebung und die unvergleichliche Landschaft des Böhmischen Mittelgebirges, die sich für Wanderungen und Radtouren gleichermaßen hervorragend eignet. Bequem bringt Sie die Bahn z.B. zum Museum der Böhmischen Granatminerale, wo der Schmuck von Ulrike von Levetzow ausgestellt ist, zu den Burgen von Košťálov und Oltářík oder einfach nur in die wunderschöne Natur. Die tschechische Bezeichnung Švestková dráha für die Lokalbahn ist noch relativ jung (erst seit 2008) und bezieht sich auf ihren ursprünglichen Namen vor dem 2. Weltkrieg, als die Strecke von den einst sudetendeutschen Bewohnern "Zwetschkenbahn" genannt wurde. Seinerzeit war die 44 km lange Strecke noch von zahlreichen Pflaumenplantagen und Alleen gesäumt, von denen heute aber nur noch Überreste geblieben sind. Regelmäßig verkehrt die Zwetschkenbahn jeden Samstag, Sonntag und an Feiertagen. Und seit Dezember 2019 gibt es auch wieder einen täglichen Eisenbahnbetrieb auf der Stammstrecke der Zwetschkenbahn, denn moderne Niederflur-RegioSprinter fahren auf der Strecke nach Most schon ab Litoměřice (Leitmeritz).

4. Eine weitere Attraktion für Bahnnostalgiker ist die Schmalspurbahn von Jindřichův Hradec (Jindřichohradecká úzkokolejka) in Südböhmen. Seit mehr als einem Jahrhundert fährt die Schmalspurbahn von der malerischen Stadt Jindřichův Hradec (dt. Neuhaus) gleich in zwei Richtungen: Zum einen in Richtung Norden bis zum Ort Obrataň, zum anderen führt die Bahnstrecke in südwestliche Richtung bis zur Endhaltestelle Nová Bystřice (Neubistritz). Dort angekommen, befindet man sich im Gebiet des sog. Böhmischen Kanada, das aufgrund seines vergleichsweise raueren Klimas so genannt wird. Bemerkenswert an der Schmalspurbahn ist ihre Spurweite von 760 mm und ihre Gesamtlänge von 79 Kilometern. Eine Fahrt mit dem hundertjährigen historischen Dampfzug ist nicht nur ein einzigartiger Ausflug in die Vergangenheit, sondern führt auch an malerischen Bahnhöfen und Haltestellen vorbei und in reizvolle Orte, insbesondere im Böhmischen Kanada. Der zweifellos attraktivste Haltepunkt ist Kaproun auf der Strecke nach Nová Bystřice, wo der Legende nach der böhmische Riese Jára Cimrman wegen Schwarzfahrens aus dem Zug geworfen wurde. Ein Denkmal ihm zu Ehren erinnert dort an dieses Ereignis. Von allen Haltestellen der Schmalspurbahn führen zahlreiche Wander- und Radwege in die Natur und bilden so ein dichtes Netz an Ausflugsmöglichkeiten. Mehr Infos zur Schmalspurbahn: http://jhmd.cz/einleitung

5. Die Moldavská horská dráha (Moldauer Gebirgsbahn) ist nicht – wie vielleicht vermutet – nach dem berühmten Fluss in Tschechien benannt, sondern nach einem kleinen Ort im böhmischen . Bereits 1885 wurde die Bergbahn, die aufgrund ihres steilen Anstiegs auch Teplitzer Semmering genannt wird, offiziell in Betrieb genommen und verkehrte bis 1945 vom nordböhmischen Most (Brüx) über den Erzgebirgskamm bis ins sächsische Freiberg. Ursprünglich wurde die Strecke hauptsächlich nur für den Güterverkehr gebaut. Allein die böhmische Teilstrecke bis nach Moldava ist ein einzigartiges technisches Denkmal, denn mithilfe von Tunneln und Viadukten überwindet sie einen enormen Höhenunterschied auf einer nur kurzen Entfernung. Dabei ist der Abschnitt Osek – Moldava besonders beeindruckend, da er durch äußerst schwieriges Gebirgsgelände führt. Ungewöhnlich an der Bahnstrecke ist auch, dass sich vor dem Halt Dubí die Schienen kreuzen und sich dadurch bei der Weiterfahrt die Fahrtrichtung ändert, denn die Haltestelle ist ein Kopfbahnhof. Während der Fahrt zieht die faszinierende Landschaft vorbei und bietet dem Betrachter atemberaubende Perspektiven auf die Umgebung. Später wird die Endhaltestelle Moldava zum perfekten Ausgangspunkt für ausgedehnte Wanderungen ins Böhmische Erzgebirge.

6. Für Liebhaber märchenhaft anmutender Bahnlinien ist die Strecke von Liberec nach Česká Lípa vor allem zwischen Kryštofovo Údolí (Christofsgrund) und Novina (Neuland) besonders reizvoll. Nordwestlich des imposanten Jeschken mit seinem futuristischen Fernsehturm gelegen schmiegen sich beide Orte romantisch in das Tal des Rokytka-Flusses ein. Auf diesem Abschnitt schlängelt sich die Strecke oberhalb des Tales entlang über mehrere Viadukte und passiert dabei mehrere Tunnel. Besonders beeindruckend ist das massive, aus Granit errichtete Eisenbahnviadukt von Novina, das mit einer Länge von insgesamt 202 Metern das Tal in einem weitem Bogen überspannt. Das Viadukt besteht aus 14 Bögen mit einer Spannweite von 12 Metern, seine Brückenpfeiler sind bis zu 27 Meter hoch. Das Bauwerk ist nicht nur ein beeindruckendes Zeugnis damaliger Ingenieurs- und Baukunst, sondern fügt sich auch harmonisch in die Landschaft ein. Kein Wunder also, dass das Viadukt auf die Liste der Kulturdenkmäler in Tschechien gelangte und auch ein begehrtes Fotomotiv insbesondere für Nutzer der sozialen Medien geworden ist.

7. Für Eisenbahnfans hält auch der mährische Landesteil einige Attraktionen parat: eine außergewöhnliche Bahnlinie führt z.B. durch das Altvatergebirge. Die Strecke beginnt in Hanušovice (Hannsdorf), führt über den Ramzovské sedlo (Ramsauer Sattel) nach Jeseník (Freiwaldau) bis auf die polnische Seite nach Głuchołazy (Ziegenhals). Eingeweiht wurde die von der Österreichischen Lokaleisenbahngesellschaft (ÖLEG) errichtete Bahnlinie bereits 1888. Wegen der komplizierten Streckenführung wird der Abschnitt über den Ramsauer Sattel auch als Schlesischer Semmering (Slezský Semmering) bezeichnet. Die Bergbahn misst eine Gesamtlänge von etwas mehr als 57 Kilometern, führt anfangs durch das reizvolle Tal der Branná bis zum Haltepunkt Ramzová und überwindet dort den Gebirgssattel in 764 Metern Höhe. Der Bahnhof Ramzová ist bis heute der höchstgelegene Bahnhof in Tschechien geblieben. Den schönsten Streckenabschnitt können Fahrgäste allerdings auf dem weiteren Abschnitt hinab zum Bahnhof Lipová-lázně genießen. Das starke Gefälle lösten die Bauherren durch den Bau mehrerer eleganter Bögen, die stark an die berühmte Bergbahn am Österreichischen Semmering erinnern. Eisenbahnliebhaber finden auf dieser Strecke zahlreiche Motive zum Fotografieren. Dazu gehören etwa ein Anschlussgleis zum Marmorsteinbruch zwischen Ramzová und Horní Lipová oder die Überreste einer Waldbahn, die unweit von Františkov oder am Forsthaus Banjaluka zu sehen sind. Beeindruckend sind auch die Bögen der Viadukte nahe der Ortschaften Branná oder Horní Lipová.

8. Berounka Eine weitere landschaftlich äußerst reizvolle Bahnstrecke liegt westlich von Prag und verbindet die Kleinstädte Beroun und Rakovník in Mittelböhmen. Bis zum Ort Roztoky führt die Strecke entlang des Flusses Berounka, einem Nebenfluss der Moldau, und schlängelt sich weiter in Richtung Rakovník durch das Tal des Rakovnický potok (Rakonitzer Bach). Eröffnet wurde die 44km lange Bahnlinie bereits 1876 und diente zunächst vor allem dem Transport von Kohle und anderen Gütern. Wenig später wurden auf dieser Strecke auch Personenzüge eingesetzt. An Wochenenden und Feiertagen zwischen Mitte April und Ende Oktober fährt auf der Strecke der Rakovnický rychlík (Rakonitzer Schnellzug), der seine Ausflugsfahrt bereits am Prager Hauptbahnhof startet. Fans dieses historischen Zuges müssen allerdings früh aufstehen, von der Goldenen Stadt aus fährt der Zug bereits kurz nach 9 Uhr in der Früh ab und erreicht in knapp zwei Stunden sein Ziel in Rakovník. Bevor er das historische Städtchen erreicht, fährt er an der spektakulären Kulisse der berühmten Burg Karlštejn vorbei und passiert fünf große Brücken über die Berounka und die Moldau sowie insgesamt fünf Tunnels.

9. Nordöstlich des (Jeseníky) in der Mikroregion Osoblaha wartet eine weitere einzigartige Bahnstrecke darauf, von Nostalgiefans und Eisenbahnliebhabern entdeckt zu werden. Dort im schlesischen Landesteil Tschechiens verkehrt die Schmalspurbahn Osoblažka (auch: Osoblažská úzkokolejka) von der Gemeinde Třemešná nach Osoblaha im hintersten Zipfel an der polnischen Grenze. Schon im Jahr 1898 begann der Bau dieser Schmalspurstrecke mit einer Spurweite von 760 mm, die ursprünglich von den Österreichischen Staatsbahnen betrieben wurde. Seit 2004 fährt hier eine Dampflok mit Ausflugswagen, vorrangig in der Sommersaison. Besonders beeindruckend an dieser Schmalspurbahn ist, dass sie auf ihrer Strecke Höhenunterschiede von bis zu 27% überwindet und so die Geschwindigkeit auf teilweise 20 km/h drosseln muss. Auf ihrem Weg durchquert die Bahn, die 2018 ihr 120-jähriges Jubiläum feierte, die romantischen Wälder entlang des Flusses Osoblaha. Dabei umrundet sie auch die Burgruine Fulštejn bis sie zu ihrem Ziel direkt an der tschechisch-polnischen Grenze gelangt. Auch interessant ist, dass über die „Bahn der mehr als 100 Kurven“ 2015 ein gleichnamiger Dokumentarfilm erschien, in dem neben der Hauptdarstellerin „Osoblažka“ auch der besondere Reiz dieser abgeschiedenen Region eingefangen wurde.
 
10. In Mähren auf halber Strecke zwischen Pardubice und Olomouc gibt es noch eine zweite Schmalspurbahn, die bei Ausflüglern äußerst beliebt ist. Die Mladějovská úzkokolejka (Mladějov-Schmalspurbahn) wird vom hiesigen Industriemuseum Mladějov betrieben, das – ebenfalls einen Besuch wert – und von einem ehemaligen Schamottwerk zu einem einzigartigen technisches Freilichtmuseum wurde. Für Liebhaber historischer Eisenbahnwaggons und Lokomotiven wird eine Fahrt mit der Schmalspurbahn ganz sicher ein unvergessliches Erlebnis werden. Denn die Bahn wird von originalen Dampflokomotiven aus den Jahren 1918 und 1929 angetrieben und eine weitere Besonderheit kommt hinzu: die Strecke hat eine Spurweite von nur 600 mm. Romantisch wird es, wenn sich die Mladějov-Schmalspurbahn auf ihrer nur 11km langen Fahrt durch die hügelige und märchenhafte Landschaft des böhmisch-mährischen Hochlandes schlängelt. Weitere Informationen über die Schmalspurbahn und das Museum auf: www.mladejov.cz