Elbebahnweg Teil 2

Elbebahnweg Teil 2

Die bequeme Alternative zum beliebten Elberadweg in Tschechien: von der mittelböhmischen Stadt Kolín durch die ostböhmische Region bis ins Riesengebirge

Egal ob man flussaufwärts ab Bad Schandau in Richtung Elbquelle im Riesengebirge radelt oder umgekehrt: wer auf dem Elberadweg in Tschechien unterwegs ist, kommt zwangsläufig an zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Juwelen in Nord- und Ostböhmen vorbei. Wie auf einer Perlenkette aufgefädelt, präsentieren sich hier bizarre Felslandschaften wie das Elbsandsteingebirge und die Böhmische Schweiz, Orte mit historischer Altstadt, ein Kurort, ein Pferdegestüt, ein barockes Hospitalareal, die wohl schönste Talsperre Tschechiens und vieles mehr. Das Beste daran: die meisten dieser beeindruckenden Orte entlang der Elbe sind auch bequem mit der Bahn erreichbar.

Ostböhmen

Nach den Etappenzielen in Nord- und Mittelböhmen ist das nächste attraktive Ausflugsziel auf dem Elbe-Bahnweg Kladruby in der ostböhmischen Region, das Sie sich keinesfalls entgehen lassen sollten. Weltberühmt ist der Ort durch sein Pferdegestüt, das eines von mehr als ein Dutzend UNESCO-Welterbestätten in Tschechien ist. Von Kolín aus erreichen Sie das Nationalgestüt (Národní hřebčín) mit dem Regionalzug (Os) in weniger als 25 min, wenn Sie bis zum Bahnhof Řečany n.Labem fahren. Von dort ist es noch ein ca. 3,5 km langer Spaziergang bis zum Gestüt. Oder Sie fahren mit dem Zug gleich weiter bis zur nächstgrößeren Stadt Přelouč und nehmen dort den Bus nach Kladruby, Fahrtzeit nur 15 min. Das Nationalgestüt ist eines der weltweit ältesten seiner Art und Heimat der ältesten böhmischen Pferderasse – des Altkladrubers. Das gesamte Areal mit historischen Stallungen, Reitplatz, kleinem Schloss, Kirche, Forsthaus und Aussichtsturm wird Sie sicherlich mehr als beeindrucken. Und wenn Sie schon mal da sind, dann empfehlen wir Ihnen noch einen Spaziergang durch den nahen, äußerst interessant angelegten Landschaftspark Mošice an den Elbauen.

Zurückgekehrt zur Bahnstation von Přelouč erwartet Sie nach einer Zugfahrt von nur 9 min (R) bzw. 14 min (Os) schon die nächste Perle der Region und eine der beiden Hauptstädte Ostböhmens: Pardubice. Für köstliche Lebkuchen (Pardubické perníčky) gleichermaßen bekannt wie für den Eishockeysport, findet hier jährlich auch das Große Pardubitzer Steeplechase statt, berühmt-berüchtigt als das schwierigste Pferderennen in Europa. Im Stadtzentrum von Pardubice angekommen, werden Sie von der denkmalgeschützten Altstadt beeindruckt sein, die Sie am besten durch das imposante Grüne Tor (Zelená brána) betreten. Dominiert wird die Altstadt vom Hauptplatz, dem Pernštýnskě náměstí, der von schmucken Bürgerhäusern und dem repräsentativen Rathaus im Neorenaissancestil mit seiner auffälligen Sgraffiti-Fassade umgeben ist. Die schmalen Gassen laden zum Schlendern ein und zum Verweilen in einem der zahlreichen Cafés und Restaurants. In Ihren Rundgang durch die Altstadt sollten Sie unbedingt auch das Schloss (Zámek Pardubice) aus dem Jahr 1529 einbeziehen. Umringt ist das Renaissanceschloss von Wallanlagen und Resten eines Burggrabens, den inneren Schlosshof umgeben zweigeschossige Arkaden. Heute befindet sich hier das Ostböhmische Museum (Východočeské muzeum v Pardubicích) mit sehenswerten Ausstellungen zur Stadtgeschichte, aber auch Fans moderner und zeitgenössischer Kunst kommen hier auf ihre Kosten. Für Architekturliebhaber seien weiterhin das Ostböhmische Theater (Východočeské divadlo) im Jugendstil in der Nähe des Grünen Tors und das Areal der Winternitz-Mühlen (Winternitzovy mlýny) des berühmten Architekten Josef Gočár unweit des Stadtzentrums empfohlen sowie das im Süden des Zentrums gelegene Krematorium aus dem 1920ern. Es ist im Stil des Rondokubismus erbaut, einem Baustil, den es in Europa so nur während der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik gab.

Ein weiteres Juwel für Liebhaber prachtvoller barocker Altstädte wie für Fans der modernen Architektur des 20. Jahrhunderts ist das nächste Etappenziel auf dem Elbebahnweg: Hradec Králové, neben Pardubice die zweite Großstadt Ostböhmens und liebevoll auch Salon der Republik genannt. Sie ist von Pardubice mit den Schnellzügen (R) und (Sp) in weniger als einer halben Stunde erreichbar. Gleich nach Ihrer Ankunft wird Sie der imposante Hauptbahnhof aus den 1920er Jahren mit seiner großzügigen Empfangshalle beeindrucken und Ihnen einen ersten Eindruck davon vermitteln, was Sie in Hradec Králové noch an Gebäuden und Fassaden aus dieser Zeit vor allem in der sog. Prager Vorstadt erwarten wird, bevor Sie später im historischen Stadtzentrum ankommen werden. Den Weg in die Altstadt sollten Sie dabei unbedingt zu Fuß absolvieren und den Masaryk-Platz (Masarykovo náměstí) überqueren. Der interaktive Architekturführer KAM? (dt. Wohin?), der online auch in Deutsch verfügbar ist, wird Sie dabei bestens durch die Straßen navigieren. In der Altstadt angekommen, beeindruckt der große dreieckige Hauptplatz (Velké náměstí) mit seinen zahlreichen barocken Bürgerhäusern, auf einer Seite fast komplett mit Arkadengängen. Höhepunkte sind hier der Weiße Turm (Bílá věž), den Sie unbedingt hinaufsteigen sollten sowie die Galerie der modernen Kunst (Galerie moderního umění) mit zahlreichen Ausstellungen auf vier Etagen und einer begehbaren Dachterrasse mit Blick auf den Hauptplatz inklusive. Sehr zu empfehlen ist es im Anschluss, das historische Zentrum über die Gočár-Treppe, benannt nach dem berühmten Vertreter der tschechischen modernen Architektur, zu verlassen und entlang der alten Stadtbefestigung zu schlendern. Danach spazieren Sie am besten in Richtung Jirásek-Park (Jiráskovy sady), wo der kleine Fluss Orlice in die Elbe mündet. An prominenter Stelle steht ein großartiges technisches Denkmal im Jugendstil und beliebtes Fotomotiv – das Wasserkraftwerk Hučák. Hier direkt am Elbufer können Sie weiter in Richtung Norden spazieren und die bemerkenswerten Bauten rechts und links der Elbe betrachten bis Sie auf das wohl beeindruckendste Beispiel unter ihnen stoßen: das Ostböhmische Museum (Muzeum Východních Čech), das Hauptwerk des berühmten Architekten Jan Kotěra, ebenfalls im Jugendstil. Der Besuch lohnt sich außerordentlich, schon allein wegen der hervorragend renovierten Innenräume und der vielen liebevoll gepflegten Details.

Auch der folgende Halt auf dem Elbebahnweg hat seinen ganz eigenen Reiz: die Kleinstadt Jaroměř, dort wo gleich zwei Flüsse Úpa (Aupa) und Metuje (Mettau) in die Elbe münden. Von Hradec Králové ist das Städtchen in nur 13 min mit dem Schnellzug (R) erreichbar, wenn Sie am Hbf. aussteigen. Sie können aber auch bis zum Haltepunkt Jaroměř zastávka fahren, denn der ist deutlich näher an der Altstadt gelegen, mit einer Fahrtzeit von 20 min. Verbunden damit ist allerdings ein Umstieg am Hbf und nicht vergessen: „Haltewunschtaste drücken.“, sonst fährt der Zug weiter. Was erwartet Sie nun in Jaroměř? Eine historische Altstadt, die schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts gegründet wurde, mit Laubenganghäusern am Hauptplatz, barocker Mariensäule, der gotischen Kirche des Hl. Nikolaus (Svatý Mikuláš) und Resten der mittelalterlichen Stadtbefestigung wie dem sog. Osttor. Weiter in der Prager Vorstadt sollten Sie sich keinesfalls den Besuch des Stadtmuseums entgehen lassen, das in einem ehemaligen Kaufhaus aus dem Jahr 1911 angesiedelt ist, dem Wenkeův obchodní dům, einem bedeutenden Werk des renommierten Architekten Josef Gočár. Falls Sie noch Zeit und Muße haben, können Sie auch die südlich der Stadt vorgelagerte Festung Josefstadt (Pevnost Josefov) besichtigen, eine beeindruckende und großzügige Anlage aus dem 18. Jahrhundert. Zu guter Letzt und wieder zurückgekehrt am Hbf steht für Fans historischer Eisenbahnen und Lokomotiven noch ein besonderer Höhepunkt auf dem Programm: das Eisenbahnmuseum am Heizhaus (Železniční muzeum Výtopná).

Mit dem nächsten Etappenziel nähern wir uns immer mehr dem Riesengebirgsvorland (Podkrkonoší) an. Der idyllisch gelegene Ort Kuks ist von Jaroměř nur 8min mit dem Regionalzug (Os) entfernt. Der Ausstieg lohnt sich nicht nur um frische Luft zu schnappen und die zahlreichen liebevoll restaurierten Häuser in Blockbauweise (roubenka) zu bestaunen, sondern insbesondere, um das imposante barocke Hospital Kuks zu besichtigen. Die Anlage thront majestätisch über dem Dorf und wird Sie durch seinen mächtigen Gebäudekomplex aus Hospital, Kirche und Krypta beeindrucken sowie durch die reich ausgestattete barocke Apotheke, die als zweitälteste in Europa gilt.
Hospital Kuks Foto: Michal Vitasek
Weiter in Richtung Elbquelle folgt auf Kuks die Kleinstadt Dvůr Králové, die Sie mit dem Regionalzug (Os) in nur 8 min erreichen. Allerdings ist das Stadtzentrum noch einmal ca. 3km vom Bahnhof entfernt. Das malerisch im Riesengebirgsvorland gelegene Städtchen ist vor allem durch seinen großzügigen Zoo- und Safari-Park bekannt, der zu den größten Anlagen in Tschechien zählt und die meisten afrikanischen Tierarten beherbergt. Aber auch das historische Zentrum sollten Sie sich unbedingt anschauen: belohnt es den Spaziergänger doch mit zahlreichen Bürgerhäusern, teilweise mit Laubengängen, dem Rathaus mit Renaissance-Sgraffito, der typisch barocken Mariensäule inmitten des Hauptplatzes, der gotischen Johannes-der-Täufer-Kirche und Resten der Stadtmauer. Auch ist das Stadtmuseum einen Besuch wert, dass neben der Stadtgeschichte auch die hiesige Entwicklung des Textildrucks präsentiert sowie von Hand geblasenen Weihnachtsschmuck, der hier in der Region eine lange Tradition besitzt.

Als nächstes lohnt es sich einen Abstecher in die Natur zu machen, um ein Bauwerk wie aus dem Märchen zu besichtigen, das von weitem aussieht wie ein Schloss: die Talsperre Les Království. Vom Zentrum in Dvůr Králové fährt man am besten mit dem Bus ab Haltestelle Pošta (Post) bis zum Ort Nemojov, Haltestelle Ozdravovna (Erholungsheim), mit einer Fahrtzeit von nur 10 min und geht anschließend den Rest zu Fuß. Die Talsperre gehört zu den schönsten in ganz Tschechien und trägt auch einen wahrhaft märchenhaften Namen, deutsch: Königreichswald. Der einzigartige Bau aus dem Jahr 1915 gehört zu den ältesten seiner Art. Damals war die Talsperre auch die größte in der ersten Tschechoslowakischen Republik. Knapp 50 Jahre später wurde sie 1964 zum nationalen technischen Denkmal erklärt. Aus lokalem Sandstein errichtet, beeindruckt die Talsperre durch ihre Eleganz und eine Vielzahl an romantischen Details. Das Bauwerk ist ein gewölbter Staudamm mit zwei Toren, die jeweils mit zwei Türmchen dekoriert sind. Von ihnen blicken Köpfe von Wassermännern auf die Passanten herab. Flankiert wird der Staudamm von Rutschtürmen zur Wasserregulierung und von einem Dammwärterhaus. In ihm würde man allerdings eher Dornröschen als einen Dammwärter vermuten, so märchenhaft wirkt die gesamte Anlage.

Um die nächste und letzte Station auf dem Elbebahnweg anzusteuern, empfiehlt es sich von der Talsperre Les Království zurück nach Dvůr Králové mit dem Bus zu fahren und von dort den letzten Abschnitt nach Vrchlabí (Hohenelbe), auch Tor ins Riesengebirge genannt, zu bestreiten. Dabei ist die schnellste Verbindung allerdings mit dem Bus: von der Haltestelle Pošta bis nach Vrchlabí Busbahnhof beträgt die Fahrtzeit etwa eine Stunde. Als Bahnliebhaber sollten Sie stattdessen eine Alternative wählen, d.h. zunächst 20min mit dem Bus nach Trutnov fahren und dort in den Regionalzug (Os) umsteigen. Die Fahrtzeit von ca. 40min lohnt sich aufgrund der vorbeiziehenden Landschaft des Riesengebirgsvorlands außerordentlich. Am Bahnhof in Vrchlabí angekommen, müssen Sie erstmal ein Stück zu Fuß gehen, um ins Zentrum zu gelangen. Dort empfängt Sie ein Renaissanceschloss, das malerisch von einem Schlosspark umgeben ist. Außerdem sehenswert sind die Dekanatskirche des hl. Vavrinec und das barocke Augustianerkloster (Augustiniánský klášter), wo sich der Hauptsitz des Riesengebirgsmuseums (Krkonošské muzeum) befindet. Auf dem Friedensplatz (náměstí Míru) befindet sich eine weitere Filiale des Museums in einem der vier historischen Holzhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Vrchlabí ist ein idealer Ausgangspunkt, um Wanderungen und Bergtouren ins Riesengebirge zu unternehmen, etwa nach Spindlermühle (Špindlerův Mlýn), zur Elbfallbaude und zur Elbquelle oder etwas weiter entfernt zur höchsten Erhebung im Riesengebirge, der berühmten Schneekoppe (Sněžka).