Elbebahnweg Teil 1

Elbebahnweg Teil 1

Die bequeme Alternative zum beliebten Elberadweg in Tschechien: von der deutsch-tschechischen Grenze bis Kolín in Mittelböhmen.

Egal ob man flussaufwärts ab Bad Schandau in Richtung Elbquelle im Riesengebirge radelt oder umgekehrt: wer auf dem Elberadweg in Tschechien unterwegs ist, kommt zwangsläufig an zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Juwelen in Nord- und Ostböhmen vorbei. Wie auf einer Perlenkette aufgefädelt, präsentieren sich hier bizarre Felslandschaften wie das Elbsandsteingebirge und die Böhmische Schweiz, Orte mit historischer Altstadt, ein Kurort, ein Pferdegestüt, ein barockes Hospitalareal, die wohl schönste Talsperre Tschechiens und vieles mehr. Das Beste daran: die meisten dieser beeindruckenden Orte entlang der Elbe sind auch bequem mit der Bahn erreichbar.

Nordböhmen

Von Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz fährt man bequem mit dem EuroCity oder der Regionalbahn rechts der Elbe entlang und genießt die vorbeiziehende pittoreske Felslandschaft der Sächsischen Schweiz, die nahtlos in die Böhmische Schweiz übergeht. Die beiden bilden gemeinsam den grenzüberschreitenden Nationalpark Böhmisch-Sächsische Schweiz. Erste Station in Tschechien ist die Stadt Děčín (Tetschen) nach nur 18min Fahrt mit dem EC oder 29min mit dem Regio. Der Ausstieg lohnt sich hier vor allem, weil man vom Bahnhof aus gleich mehrere sehenswerte Orte bequem zu Fuß erreichen und kombinieren kann, wie etwa das Regionalmuseum (Oblastní muzeum) und die schön restaurierte Jugendstil-Synagoge im Stadtteil Podmokly (Bodenbach). Von dort führt der Weg weiter bergauf zur sog. Schäferwand (Pastýřská stěna), wo Sie den Děčíner Zoo, den zweitältesten in Tschechien, besuchen können. Gleich nebenan sind Sie an einem besonders reizvollen Ausflugsziel angelangt, wo man den Blick in die Ferne schweifen lassen kann: eine Villa mit Aussichtsturm, Restaurant und großer Terrasse. Von dort kann man einen hervorragenden Blick auf das Elbtal, auf das gegenüberliegende Stadtzentrum und das Schloss genießen. Wer noch nicht fußmüde geworden ist, sollte unbedingt die Elbe (auf Tschechisch Labe) überqueren und das über der Stadt thronende Renaissanceschloss besichtigen. Bemerkenswert ist hier vor allem die mit fast 300m außergewöhnlich Lange Auffahrt (Dlouhá jízda), die beidseitig von Mauern überragt wird. Hinter einer der Mauern lockt zudem ein wunderschön angelegter Rosengarten Besucher zum Verweilen ein. Wenn Sie sich dann doch nach etwas mehr Action und Aktivurlaub sehnen, können Sie auf der Elbe paddeln oder über die Via Feratta an der Schäferwand klettern.
Děčín

Nächster Halt auf dem Schienenweg entlang der Elbe ist die sogenannte Porta Bohemica. Steigen Sie in Děčín hl.n. (Hbf) in einen der Regionalzüge (Os) ein, die stündlich verkehren, und fahren Sie bis zum Halt Ústí nad Labem západ (West), keinesfalls aber in einen Schnellzug (R), denn der hält nur am Hbf von Ústí (Aussig) und fährt weiter nach Prag. Am Bahnhof Ústí n.L. západ müssen Sie in einen weiteren Regionalzug (Os) umsteigen in Richtung Litoměřice město bzw. Mělník und am Halt Velké Žernoseky aussteigen. Nach einer Fahrtzeit von insgesamt 55 Minuten finden Sie unweit vom Haltepunkt den Abschnitt des Elbtals, der Porta Bohemica oder auch Böhmische Pforte genannt wird. Hier fließt die Elbe in einem scharfen Knick in das Böhmische Mittelgebirge (České středohoří), das Land markanter Vulkanberge. Beeindruckend an der Porta Bohemica ist vor allem, dass beiderseits der Elbe steile und ca. 100 m hohe Felswände den Flusslauf flankieren. Besonders markant ist die Felsklippe des Dreikreuzbergs (Tří kříže) mit den weithin sichtbaren Kreuzen am Gipfel. Interessant ist auch, dass an den steilen Hängen am Dreikreuzberg einst Wein angebaut wurde, wovon noch Überreste der Weinberge zeugen. Auf dem Rückweg ins Dorf Velké Žernoseky bietet sich noch die Gelegenheit, in einen der Weinkeller einzukehren und den hiesigen edlen Tropfen zu probieren. Der hier angebaute Wein war früher als Tschernoseker bekannt und wird heute unter anderem unter der Marke Porta Bohemica verkauft.
Böhmisches Mittelgebirge
Zur Bahnstation zurückgekehrt geht die Reise weiter mit der Regionalbahn in die nahe gelegene Bischofsstadt Litoměřice (Leitmeritz), die eigentliche Perle der Region. Die paar Kilometer können Sie aber auch zu Fuß gehen, dann wird Ihnen die hiesige Weinroute (Litoměřická vinařská stezka) ein verlässlicher Wegweiser in die nahe gelegene Stadt sein. Der interessante und informative Weinpfad macht Sie bekannt mit der Geschichte des Weinanbaus und seiner Winzer, aber auch mit den Naturdenkmälern der Gegend. Im Mittelalter war Litoměřice nach Prag die zweitgrößte Weinbaustadt in Böhmen. In ihrer Umgebung gab es etwa 400 ha Weinbaufläche und Weinberge. Seit dem 17. Jahrhundert ist die Stadt am Zusammenfluss von Elbe und Eger Bischofsresidenz und beeindruckt durch seine gut erhaltene historische Altstadt. Das gotische Rathaus und zahlreiche Bürgerhäuser aus der Renaissance- und Barockzeit, die den zentralen Marktplatz säumen, sind ebenso sehenswert wie die Häuser in den Seitengassen oder die Kirchen und sakrale Denkmäler wie der Stephansdom und das ehemalige Jesuitenkolleg, das heute als Kunstgalerie dient. Umrahmt wird das historische Stadtzentrum von einer größtenteils noch erhaltenen Stadtmauer.
Litoměřice

Mittelböhmen

Weiter unterwegs auf dem sog. Elbebahnweg sollten Sie in Mělník, der Hauptstadt der nördlichsten Weinregion Tschechiens, unbedingt Halt machen. Von der Bahnstation Litoměřice město sind es gerade mal ca. 30 min Zugfahrt bis in die malerische Kleinstadt. Besonders herausragend in Mělník sind das Schloss Lobkowicz und die Peter-und-Paul-Kirche. Beide thronen erhaben über den steilen Weinbergen als auch über dem Zusammenfluss von Elbe und Moldau. Empfehlenswert ist ebenfalls ein Rundgang durch die historische Altstadt und unter den Arkaden der Laubenganghäuser am Marktplatz, der hier Friedensplatz (Náměstí mírú) heißt. Auf Ihrem Rundweg werden Sie auf zahlreiche Weinstuben und Weinläden stoßen, wo Sie sich ein Glas des lokalen edlen Tropfens gönnen sollten. Wer sich darüberhinaus für technische Denkmäler interessiert, dem sei ein Spaziergang zur nahegelegenen historischen Schleuse Hořin empfohlen, erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts. Dort angekommen, hat man wiederum einen hervorragenden Blick auf die Weinberge unterhalb der Altstadt, das Schloss und den mächtigen Kirchturm.

Nächste Station auf der Fahrt entlang der Elbe ist die Stadt Nymburk, die man mit dem Schnellzug (R) von Mělník in weniger als 40 min erreicht. Beeindruckend ist hier vor allem der gotische Dom und die größtenteils erhaltene mächtige Stadtbefestigung aus rotem Backstein. An ihr kann man innerhalb durch romantische Gassen schlendern und außerhalb zum Teil entlang der Elbe. Wenn Sie den Fluss auf der prächtigen Jugendstilbrücke überqueren, gelangen Sie linker Hand in einen großzügig angelegten Landschaftspark, den Park Ostrov (dt. Insel). Von hier aus können Sie die Silhouette der Stadtmauer auf der gegenüberliegenden Elbseite ebenso genießen wie den Blick auf das Wehr und das historische Wasserkraftwerk im Jugendstil.
Kaum einen Steinwurf entfernt, und zwar nur 5 min mit dem Zug von Nymburk entfernt, wartet schon die nächste Perle an der Elbe auf Sie: das Kurbad Poděbrady. Direkt vom Bahnhof führt eine großzügig angelegte Promenade zum Kurpark, weiter zum Marktplatz und hinunter zur Elbe, wo auch das imposante Stadtschloss am Ufer thront. Im Kurpark finden Sie eine Handvoll Quellen, wo Sie das hiesige Heilwasser probieren können. Sollte Ihnen das allerdings nicht zusagen, können Sie auch in den zahlreichen Cafés und Restaurants entlang der Kurpromenade einkehren und die spezielle Atmosphäre dieses kleinen Kurbads inhalieren.

Mit dem Zug in nur 15 min erreichen Sie schon das nächste Highlight auf Ihrer Tour entlang der Elbe. die Stadt Kolín. Auch sie besticht durch ein schönes mittelalterliches Zentrum mit einem gepflegten Marktplatz in ihrer Mitte. Den Platz dominiert eine Pestsäule, wie sie in vielen böhmischen Städten zu finden ist, umrahmt wird der Karlsplatz (Karlovo náměstí) von schön restaurierten Bürgerhäusern und dem Rathaus im Stil der Neorenaissance. Ganz in der Nähe erhebt sich über den Dächern der Stadt die monumentale gotische St.-Bartholomäus-Kirche, die vom berühmten Baumeister Peter Parler erbaut wurde, der auch die Bauarbeiten an der imposanten St.-Veit-Kathedrale auf der Prager Burg leitete. Auf Ihrem Rundgang durch Kolín werden Sie auch auf zahlreiche Spuren der einstigen jüdischen Gemeinde treffen. So ist das ehemalige jüdische Viertel ebenso erhalten wie die Synagoge und der alte jüdische Friedhof, der zu den ältesten erhaltenen und wertvollsten in Tschechien zählt.